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[28.01.2010] (rhh)
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Kleine Projekte liefern die nötige Erfahrung

Allgemeingültige und herstellerübergreifende Standards für alle Aspekte – das gibt es beim Cloud-Computing noch nicht. Nur wer bestehende Standards ausnützt, minimiert den Aufwand, wenn IT-Ressourcen später doch von einem anderen Anbieter kommen sollen. Eine ausgiebige Planungsphase mit einer umfassenden Analyse ist dringend erforderlich, Unterstützung bei der Migration durch den externen Provider reduziert den Aufwand.

Das Grundprinzip zur Azure-Plattform. Grafik: Microsoft
Das Grundprinzip zur Azure-Plattform. Grafik: Microsoft
Alle notwendigen Standards für die massenweise Umstellung der Applikationen auf eine dynamische Infrastruktur – wie sie beim Cloud-Computing gegeben ist – sind noch nicht definiert. Doch wer heute schon einige Voraussetzungen in seiner IT-Infrastruktur beachtet, der ist für die kommende Entwicklung gut gerüstet. »Anwenderunternehmen sind gut beraten, bereits heute in Richtung Clouds zu denken, beispielsweise, indem sie private Clouds im eigenen Rechenzentrum bilden«, bringt es Andreas Kohne, Experte für dynamische Infrastrukturen bei Materna auf den Punkt. So ist später, wenn sich alle nötigen Standards ausgebildet haben, ein Wechsel in externe oder gar »Public Clouds« einfacher möglich. Darüber hinaus ist auf Provider-Seite die Transparenz-Problematik über den tatsächlichen Verbleib von Daten und Diensten zu lösen. »Des Weiteren sind die Plattformen der Anbieter derzeit noch recht proprietär«, erklärt Kohne. »Das führt dazu, dass die Unternehmen ihre eigene Architektur derzeit noch an die des Anbieters anzupassen haben. Letztlich müssen die Dienste und Daten so vorliegen, dass sie auch in der Umgebung des Providers laufen.«

Serviceorientierte Architektur ist die Grundlage

Interessierte Unternehmen sollten derzeit den Weg in Richtung »Serviceorientierung der IT« beschreiten. Dies beinhalte unter anderem, IT-Leistungen und dabei insbesondere Softwaresysteme mit klar definierten Schnittstellen und Servicelevels anzubieten. »Dies erlaubt im nächsten Schritt, entsprechend paketierte Software in die Cloud auszulagern«, gibt Holger Sirtl zu Protokoll. Der Architect Evangelist für Cloud-Computing bei Microsoft Deutschland  empfiehlt »Windows Azure«: »Es erlaubt den Betrieb von serviceorientierter Software, dabei werden Standards unterstützt, die eine Migration in Richtung Cloud erleichtern.«

Möchte ein Unternehmen eine externe Wolke in seine IT-Architektur einbeziehen, sind die notwendigen Bandbreiten, aber auch die juristischen Bedingungen sowie die Sicherheit zu betrachten. Für Peter Dümig, Enterprise Solutions Marketing Manager bei Dell in Deutschland, ist dagegen bei internen Clouds lediglich zu überprüfen, ob die gewünschte Applikation in eine Cloud übertragbar ist und ob die notwendigen Abrechnungsverfahren verfügbar sind. Auch gibt er sich überzeugt, dass die erforderlichen technischen Voraussetzungen relativ einfach zu erfüllen sind, wenn das Unternehmen schon Virtualisierung einsetzt und entsprechende Management-Tools nutzt.

Cloud-Provider muss Migration unterstützen

Allerdings unterstützen professionelle Anbieter von Cloud-Computing die Unternehmens-IT bei der Vorbereitung der Migration. Beispielsweise arbeitet Google Enterprise für Unternehmen, die zu den »Hosted Services« von Google wechseln möchten, eine Machbarkeitsstudie mit einem Phasenmodell aus. »Darin werden auch mögliche Hürden wie die unter Umständen nötige Anpassung der Netzwerkinfrastruktur oder die Anpassung von Single-Sign-On-Systemen analysiert«, skizziert Kai Gutzeit die Vorgehensweise. Der Chef von Google Enterprise für den deutschsprachigen Bereich rät dann aber auch zu einer flexiblen Vorgehensweise: »Anschließend werden die möglichen Migrationspfade für die eventuell unterschiedlichen Systeme definiert und wenn nötig eine Koexistenz-Strategie mit dem Kunden erarbeitet. Sind all diese Punkte geklärt, beginnt die eigentliche Migration.«

Mit dem Vcloud-API will Vmware die Standardisierung vorantreiben. Grafik: Vmware
Mit dem Vcloud-API will Vmware die Standardisierung vorantreiben. Grafik: Vmware
Dabei empfiehlt Google als erste Migrationsphase ein so genanntes Mock-Deployment, bei dem zunächst nur eine kleine Gruppe von Endanwendern auf »Google Apps« gehoben wird. Tests bieten in der Folge die Chance, eventuelle Probleme relativ schnell und ohne großes Risiko für das Unternehmen zu lösen. Erst dann werden die Daten komplett ausgelagert. Dabei werden Standardschnittstellen wie IMAP, XMPP, SMTP sowie von Google bereitgestellte Migrations-Tools genutzt. Aufwand und Dauer der Migration in die Cloud hängen vom Datenvolumen, der Komplexität und der gewählten Szenarien ab. Gutzeit kennt den Richtwert: »In der Regel dauert die Migration zwischen vier und zwölf Wochen.«

Bei VMware gilt das Thema Cloud-Computing als eine logische Konsequenz zur Virtualisierung: »Virtualisierung ist die Basis – somit ist aus unserer Sicht der erste Schritt, um Cloud-Computing nutzen zu können, die eigene IT-Umgebung auf der Plattform ‚vSphere‘ zu betreiben«, meint Erwin Breneis, Senior Systems Engineer bei Vmware. Damit habe die IT genügend Flexibilität, um auch Cloud-Computing zu betreiben.

Zu den ersten wichtigen Schritten gehört für Georgios Rimikis, Manager Solutions Strategy bei Hitachi Data Systems Deutschland die Virtualisierung des Speichers sowie der Server. Dabei sollten langfristig nicht nur File- und Archivierungsservices, sondern auch blockbasierte Daten berücksichtigt werden. »Außerdem macht es durchaus Sinn, unterbrechungsfreie Datenmigration und die Migrationswege in der Cloud in einer Testumgebung zu üben, um sich mit dem neuen Konzept vertraut zu machen; denn die Daten werden im Laufe des gesamten Lebenszyklus nicht permanent auf einer Plattform residieren.«

Mittelstandseignung steht noch aus

»Die heutigen Cloud-Szenarien richten sich an Konzerne und Großunternehmen und sind nur bedingt für den Mittelstand und schon gar nicht für kleinere Unternehmen ausgelegt«, lautet die Devise von Ralf Schuster, Vertriebsingenieur Storage Solutions bei Magirus Deutschland. Seine Empfehlung lautet, dass sich Unternehmen an den Modellen der großen Gemeinschaften ausrichten. Hier nennt er die Allianz aus Vmware,  Cisco und EMC oder das Zusammenspiel von Microsoft mit HP. »Dann besteht die Möglichkeit, eine zertifizierte, sichere und funktionierende Lösung zu bekommen.«

Doch das hält der Geschäftsführer von Data Global, Wolfgang Munz, nicht für ausreichend: »Die Standardisierung auf allen Ebenen – also Betriebssystem, Applikationsserver und so weiter – ist ein wichtiger Punkt. Es kommt aber unbedingt noch die Klassifizierung der Anwendungen und Daten dazu.« Ein Unternehmen müsse entscheiden, welche Anwendungen und Daten besonderen rechtlichen Anforderungen unterliegen und welche Informationen auf keinen Fall das Unternehmen verlassen dürfen.

Dieses Thema gewinnt auch für Thomas Engler, Team Leader Solution Architects bei Serena Software, an Bedeutung. »Es gilt zwei Dinge zu berücksichtigen: Die Sicherheit der IT-Umgebung muss weiterhin gewährleistet sein und gleichzeitig sind auch Compliance-Richtlinien einzuhalten.« Beide Themen dürfen keinesfalls vernachlässigt werden, wenn die Software von einem Anbieter gehostet wird. Denn werden gesetzliche Richtlinien und Regularien nicht eingehalten, hält sich der Gesetzgeber an die Organisation, die die Anwendungen einsetzt. Er unterscheidet nicht zwischen Applikationen auf dem eigenen Server oder Software-as-a-Service.

Analyse der Lizenzen reduziert die Kosten

Da Cloud-Computing ganze Anwendungs-Suiten als Services zur Verfügung stellt, sollten die IT-Verantwortlichen genau prüfen, wie viele Lizenzen sie benötigen: »Häufig sind in Unternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher Lizenzen vorhanden, die überhaupt nicht benötigt werden. Das Einsparpotenzial ist enorm, wenn vor dem Umstieg auf ein externes Modell eine interne Analyse stattfindet, welcher Mitarbeiter welche Software-Lizenzen benötigt«, erläutert Engler.

Am wichtigsten ist allerdings die saubere Planung: Generell darf kein unkontrolliertes Auslagern der Anwendungen stattfinden. Nur wer eine genaue Analyse erstellt, welche Applikationen etwa als Software-as-a-Service Sinn machen und welche Anwendungen nach wie vor auf den eigenen Unternehmensservern bleiben, behält seine IT im Griff.

»Cloud-Computing einzuführen heißt nicht zwangsweise, dass direkt auf 100 Prozent Software-as-a-Service umstrukturiert werden muss«, gibt Engler zu bedenken. Im Gegenteil, um eventuell vorhandenen Befürchtungen vorzubeugen, lassen sich Anwendungen Schritt für Schritt migrieren. Generell kann ein Unternehmen aber davon ausgehen, dass Software-as-a-Service als Abonnement für eine Firma deutlich günstiger ist als traditionelle Modelle. Die niedrigeren Lizenzgebühren sind ein Faktor dabei, aber auch Kostensenkungen bei Verwaltung und Wartung gehören dazu.

Ins gleiche Horn stößt Joseph Reger, Technologie-Vordenker bei Fujitsu Technology Solutions: »Ein Unternehmen sollte einen Katalog aufstellen, der jede einzelne IT-Aufgabe als einen Geschäftsprozess beschreibt und je nach den Bedürfnissen einordnet, die als SLA, also als Service-Level-Agreement, beschrieben werden.« Danach können alle Aufgaben auf Cloud-Fähigkeit geprüft werden.

»Dabei ergeben sich drei Optionen«, so Reger: »Die Aufgabe lässt sich in einer Cloud erledigen, oder die Aufgabe kann zwar noch nicht als Cloud-Service erbracht werden, es ist aber schon absehbar, dass dies bald der Fall sein wird. Im dritten Fall ist zu vermelden, dass die Aufgabe nicht – und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern – als Cloud-Leistung bezogen werden kann.« Dazu können technologische Gründen den Ausschlag geben oder aber ein Unternehmen betrachtet diese Aufgabe als Kernaufgabe. Ein derartiger Katalog sollte jedes Jahr neu bewertet werden – und man wird sich wundern, wie sich die Einstufungen nach bloß einem Jahr schon ändern.

Für Michael Hoos, Director Presales Consulting bei Symantec stellt sich die Frage, ob sich der Umstieg auf Cloud-Computing überhaupt rechnet, ob das künftige Konstrukt auch skalierbar und elastisch ist. Deswegen empfiehlt er die Politik der kleinen Schritte: »Die Anwendungen sollten nach Klärung dieser Fragen Schritt für Schritt virtualisiert werden. Dazu müssen Schnittstellen wie SOA und eine gewisse Modularität vorhanden sein.«

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